Lüneburger Orgelsommer

Die Stadt Lüneburg verfügt über eine einzigartige, durch ihre Vielfalt und die Qualität der Instrumente bestechende Orgellandschaft. Nach den erfolgreichen Restaurierungsarbeiten der letzten Jahre genießen die Instrumente der drei historischen Innenstadtkirchen einen internationalen Ruf.
Die älteste Orgel steht in
St. Johannis. 1553 von den Brabanter Orgelbauern Hendrik Niehoff und Jaspar Johannsen erbaut, wurde sie 1712-1715 unter dem Kantorat von Georg Böhm (1698-1733) durch den Schnitger-Schüler Matthias Dropa um die Pedaltürme und etliche Register erweitert. Diesen Stand hat Rudolf von Beckerath 1953 wieder hergestellt. Das prachtvolle Gehäuse, die reich und kunstvoll verzierten Prospektpfeifen zeugen noch heute von der hohen Blüte der Orgelkunst im 16. und 18. Jahrhundert. Die Orgel hat 51 Register auf drei Manualen und Pedal.
Seit 2010 steht der großen Orgel die symphonische Chororgel von Kuhn gegenüber. Sie ist neben der regelmäßigen Begleitung der Chöre und der Mitwirkung bei Oratorien in besonderer Weise geeignet, die symphonische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts darzustellen. Im Sinne der Bereicherung der Orgellandschaft Lüneburg ist ihre Disposition und Klanglichkeit an der französischen Romantik ausgerichtet. Sie hat zwei Manuale und 27 Register.
Der besondere Reiz der Orgel in
St. Michaelis besteht in ihrer Verbindung von barocker Aufstellung und Gehäuse mit einer soliden romantischen Spielanlage. Das Gehäuse und die Prospektpfeifen entstammen der Werkstatt Matthias Dropas, im Innern jedoch befindet sich ein Werk, das 1931 durch Furtwängler und Hammer unter Verwendung des damals noch existierenden Materials von Dropa neu gebaut wurde. Die wertvollen Bestandteile der Bauzustände von 1708 und 1931 wieder voll zum Erklingen zu bringen, war das Ziel der Renovierungsarbeiten durch die Firma Scheffler im Jahre 1999. Das Ergebnis ist nun eine Orgel, die die Klarheit und Brillanz der Barockorgel mit der Weichheit und Wandlungsfähigkeit eines romantischen Instrumentes verbindet - ein besonders in Deutschland seltener Glücksfall. Die Orgel verfügt nun über 48 Stimmen, die sich auf drei Manuale und Pedal verteilen.
Die dritte große Orgel Lüneburgs in der
St.-Nicolai-Kirche ist ein romantisches Instrument ohne historische Vorgänger, das die Firma Furtwängler und Hammer 1899 erbaute. Nach mehreren - zum Teil wenig geglückten - Umbauten im 20. Jahrhundert stellte die große Restaurierung 2002 (Fa. Lenter) den Originalzustand von 1899 wieder her und machte dem Publikum eine stilgetreue Orgel der deutschen Romantik wieder lebendig, die Maßstäbe in Klang und technischer Realisierung setzt. Ihre 49 Register verteilen sich auf drei Manuale und Pedal.
Diese so unterschiedlichen Instrumente erlauben es, Orgelmusik verschiedenster Epochen auf den dazu passenden Instrumenten wiederzugeben - ein Gedanke, der sich auch in den Programmen der internationalen Gastorganisten niederschlägt und der diese gemeinsame Konzertreihe der drei Lüneburger Kantoren zu einem besonderen Erlebnis werden lässt.